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Trachtenlandung und ausbalancierter Huf

Trachtenlandung: Ein gutes Zeichen für einen ausbalancierende Huf
Es ist wichtig die Bedeutung des Abrollpunktes in Bezug auf Bewegungsoptimierung und langfristige Gesundheit des Pferdes richtig zu beurteilen.

Ein Zeichen für eine gute Bearbeitung ist, dass die Vorderhufe auf ebenem Untergrund eine Trachtenlandung zeigen. Kurz bevor die Trachte landet kann man sehen wie der Huf vorwärts schwingt, alle Gelenke im Bein befinden sich dann in kompletter Dehnung.

Ein Pferd mit unausbalancierten Hufen zeigt eine Zehenlandung oder es fußt plan (plan ... flach, eben). Bei einer Zehenlandung kann man auch einen kleinen »Wackler« in den Fesselknochen sehen und manchmal auch ein »pa-dam« hören - wenn das Pferd den Huf belastet.

Hinweis: Die Gelenke der Hinterbeine biegen sich anders als die der Vorderbeine, so dass der Hinterhuf, fast unabhängig von der Art der Bearbeitung, immer eine Trachtenlandung zeigt. Wenn hier von einem Huf zu bearbeiten gesprochen wird, damit er mit der Trachte zuerst landet, sind immer die Vorderhufe gemeint. Hinterhufe werden nicht so wie die Vorderhufe bearbeitet, außer in dem ungewöhnlichen Fall dass die Zehen zu lang nach vorne gewachsen sind; dann kann man diese Bearbeitung temporär anwenden, bis die Zehenwand sich dem Hufbein wieder angenähert hat.

Den Unterschied zwischen Trachten- und Zehenlandung kann man am einfachsten sehen, indem man das Pferd bergauf und bergab auf einer leichten Schräge führt.

Pferd läuft bergab

Pferd läuft bergab: Das Bein hat genug Zeit sich voll zu strecken bevor es den Boden erreicht. Man kann den Huf nach vorne schwingen sehen während jedes Gelenk sich völlig dehnt und der Huf landet mit der Trachte zuerst auf dem Boden.

Pferd läuft bergauf

Pferd läuft bergauf - Zehenlandung: Beim bergauf laufen ist keines der Vorderbeingelenke ganz gestreckt - das Bein hat nicht genug Zeit, sich völlig zu strecken bevor der Huf auf dem Boden landet. Es erfolgt eine Zehenlandung und dann kann man »Wackler« in den Fesselknochen sehen oder ein »pa-dam» hören, was unter dem Gewicht den Hufrollenbereich überlastet.

Hinweis: Bei einer Zehenlandung müssen die Fesselknochen von einer Biegung nach oben zu einer Biegung nach unten wechseln. Bei einer Trachtenlandung befinden sich die Fesselknochen schon in einer Biegung nach unten und die Biegung muss sich nicht verändern wenn der Huf belastet wird.

Was hat der Abrollpunkt mit der Trachtenlandung zu tun?
Die Stelle, an der sich der Abrollpunkt befindet, legt fest ob der Huf in der Vorwärtsbewegung Zeit für eine Trachtenlandung hat oder nicht. Wenn die Zehen zu lang sind, wird das Abrollen verzögert. Das Bein hat dann nicht genug Zeit um weit genug vorzuschwingen, um mit der Trachten zuerst zu landen - wie beim Bergauflaufen und wird statt dessen mit der Zehe zuerst landen und der komplette Gang wird daurch verkürzt.

Eine Verzögerung des Abrollens bewirkt zusätzlich, dass die Hinterhufe in die Vorderhufe greifen, da die Vorderhufe nicht rechtzeitig Platz für die Hinterhufe machen können.

Hinweis - Abrollpunkt (Bild: unten links): Der Abrollpunkt ist der Moment wenn der Huf nach vorne kippt um sich dann vom Boden zu lösen und die Trachten beginnen am Ende des Schritts, sich vom Boden zu lösen.

Der Pfeil rechts zeigt den Abrollpunkt an einer flach gearbeiteten Sohle. Wenn die Zehe verbogen ist kann sich der Abrollpunkt sogar noch weiter vorne befinden. Das Abrollen ist verzögert und das Bein hat nur die Zeit für einen verkürzten Tritt, auf den eine Zehenlandung folgt.

Der Pfeil links zeigt wo der Abrollpunkt liegt wenn »toe rocker« (toe rocker ... Zehen-Wippe oder Zehen-Schwelle) und »mustang roll« (abgerundete Kante, wie bei Wildpferden) angebracht wurden. Es ist zu beachten, dass die Abroll-Linie an derselben Stelle ist wie beim kürzeren Mustanghuf (innerer Hufumriss), der eine natürlich abgerundete Zehe besitzt. Wenn der Abrollpunkt an dieser Position ist hat das Bein genug Zeit bis zur völligen Streckung vorzuschwingen und kann dann mit den Trachten zuerst landen.

Abrollpunkte und Hufbearbeitung mit markierter Abrollpunkt-Linie

Seitenansicht eines Hufs (Bild: oben rechts): Die Linie quer über die Zehe zeigt die Stelle, an der die Raspel einen flachen Schnitt macht, quer über die gesamte Zehe, in einem Winkel von etwa 15 bis 20 Grad zur Hufunterseite. Der Pfeil zeigt auf die markierte Abrollpunkt-Linie.

Alles am Huf funktioniert besser wenn der Huf mit der Trachte (Tendenz zur Trachtenfußung) zuerst auf dem Boden auftrifft. Die Hufkapsel dehnt sich dann so, dass die optimalste Stoßdämpfung, die beste Durchblutung und gleichmäßger Abrieb gewärhleistet sind. Die Hufknorpel sind widerstandfähig, Strahl und Trachten weit; sie sind in der Lage, den Huf selbst bei sehr harter Arbeit gut zu schützen.

Wenn die Vorderhufe mit den Trachten zuerst landen können, so kann die Bewegung des Pferdes frei und raumgreifend sein.

Falls der Huf mit der Zehe zuerst landet:

  • so wird die Stoßdämpfung ist reduziert,
  • die Blutzirkulation im Innern des Hufs wird verringert (aufgrund einer veränderten Dehnung),
  • die Zehen haben dann die Tendenz zu lang zu werden und die Trachten ziehen sich dann zusammen,
  • und der Abrieb des Hufs wird ungleichmäßig.

Durch die Landung des Hufs mit den Zehen, wirkt die Bewegung des Pferdes kurz und abgehackt und die Hinterhufe treten möglicherweise in die Vorderhufe, bevor diese den Boden verlassen.

Welche Balance braucht der Huf für eine Trachtenlandung?
Um eine Trachtenlandung zu erhalten, muss der Huf eine korrekte Zehen-Trachten-Balance haben. An einem Vorderhuf ist die beste Proportion etwa 1/3 vom Abrollpunkt zur breitesten Stelle des Hufs und 2/3 von der breitesten Stelle zu den Trachtenendkanten. Bei Hufen mit Zehenlandung ist der Zehenbereich typischerweise länger als der Trachtenbereich.

Abrollpunkte und Hufbearbeitung mit markierter Abrollpunkt-Linie

Ausbalancierter Huf für eine Trachtenlandung (Bild: links): Der Abstand vom Abrollpunkt bis zur breitesten Stelle des Hufs ist kürzer als der Abstand von der breitesten Stelle zu den Trachtenendkanten.

Unausbalancierter Huf (Bild: rechts): Ein unausbalancierter Huf mit langen Trachten, die die Trachtenendkanten nach vorne ziehen und einer verbogenen Zehe, was den Abrollpunkt nach vorne verlegt. Der Abstand vom Abrollpunkt bis zur breitesten Stelle des Hufs ist länger als der Abstand von der breitesten Stelle zu den Trachtenendkanten.

Hinweis: Das Dilemma bei einer Korrektur des Hufes ist, dass man dadurch den Druck auf das Strahlbein zwar verringert, den Druck auf die Trachten aber erhöht. Dadurch wird bei vielen Pferden das Hornwachstum behindert, wodurch die Trachten mit der Zeit schlechter werden, sofern man den Druck auf die Trachten nicht auf andere Strukturen des Hufes verteilt. Übertreibt man die Hochstellung schafft man ungünstige Belastungsverhältnisse im Hufgelenk, was dieses wiederum vermehrt reizt, womit man der Sache auch nicht dient sondern schadet. Trotzdem ist das Anheben der Trachten oder deren Neuaufbau bei Pferden mit flachen Trachten notwendig.

Hufbearbeitung - »mustang roll« und »toe rocker«

Mustang Roll (Bild: unten): Die Hufwände des Mustanghufes (Wildpferdehufe, Barhufpferde) gehen in eine mehr oder weniger dicke, sanfte Rundung entlang des Tragrandes über. Die Hufbearbeitung wird mit der Berundung der Huf-Wand beendet. Beim Natural Hoof Care (NHC) wird dies als »Mustang Roll« bezeichnet. Er hilft dem Huf bei der Stabilisierung des Hufbeinträgers, indem er das Ausbrechen oder Abspalten der Hufwand verhindern soll. Die Stärke des »Mustang Roll« richtet sich nach der Wanddicke, den Bodenverhältnissen, der Nutzung des Pferdes und dem Gesundheitszustand des Hufes. Hier zählen die Erfahrungswerte des Hufexperten am jeweiligen Pferdehuf.

Allerdings wird bei der Hufbearbeitung nach Natural Hoof Care der »Mustang Roll« zum Teil gedankenlos angebracht, weil er »einfach dazugehört«. Der Huf wird auf das Vorbild zurechtgetrimmt und nicht nach den Bedürfnissen des Pferdes bearbeitet. Das effektive Anbringen einer »Mustang Roll« scheint aber zu einer bessere Balance in der Hufkapsel zu führen, was meistens zu einer Weitung der Trachten führt.

Ein stark ausgeprägter und natürlicher »Mustang Roll« wird vermehrt bei den »Hartbodenhufen« angetroffen. Besonders bei Pferden, die sich viel auf buckeligem, unebenem und bergigem Gelände bewegen. Der Huf kommt hier von allen Seiten mit Steinen und Unebenheiten in Berührung. Dabei kommt es durch Abrieb, Anschlagen und Ausbrechen zu einer Komprimierung der unteren Hufwand und damit der spiralfederförmigen Hornröhrchen am Tragrand.

Die Hornröhrchen der Hufwand haben eine wichtige lasttragende Funktion und ein Lastverteilungspotential. Wird der stark ausgeprägte »Mustang Roll« mit der Hufraspel »künstlich« angebracht, werden die äußeren Hornröhrchen entfernt. Das Horn des Tragrandes ist nicht komprimiert und nutzt sich daher schneller ab. Wird zu stark gerundet, bleibt nur ein dünner Grad am Tragrand stehen, der sich auf hartem Boden sehr schnell abnutzt und die Sohle muss zu viel Last tragen.

Für eine gute Haftung auf weichen Böden muss die Zehenwand allerdings scharfkantig sein. Auf steinigen Böden rundet sich die Hufwand aufgund der Abriebeigenschaften des Terrains von selbst ab und eine scharfkantige Hufwand hätte auf solchen harten Böden keine Vorteile für die Bodenhaftung. Einen Huf mit scharfen Kanten zu versehen könnte auf steinigen Böden zum Ausbrechen führen und die Kanten würden sich mit der Zeit selbst berunden. Andererseits führt das Berunden von Hufen, die auf weichen Böden laufen, zu Trachtenzwang wenn die Berundung nicht nur an der Zehe sondern auch an Seitenwänden und Trachten vorgenommen wird. Damit ist eine scharfkantige Gestaltung der Hufwand für weiche Böden notwendig um eine gute Bodenhaftung zu erreichen. Die Hufwände abzurunden wird jedoch als hilfreich angesehen, wenn es um die Heilung von Problemen an der weißen Linie des Hufes geht.

Hinweis: In der Endphase der Bearbeitung am unbeschlagenen Huf muss die gesamte tragende Oberfläche der äußeren Hufwand berundet werden. Die Hufe des Pferdes müssen dabei nicht zwangsläufig in eine Mustanghuf-Form gezwungen werden, sondern diese Form sollte nur angestrebt werden. Bei vielen Pferden sind durch schlechte Hufbearbeitung oder Aufwuchsbedingungen schon Veränderungen am Hufbein aufgetreten. Die Hufform passt sich dann der Form des Hufbeines an. Regel: Der natürliche und gesunde Huf gibt vor, mit welcher Hufform das Pferd am besten laufen kann.

Mustanghuf oder Mustang-Roll

Toe Rocker (spezieller Hufbeschlag, Bild: unten): Bei zu langen Zehen ist die gesamte Fußungsfläche und der Abrollpunkt nach vorne verschoben, was häufig zum Stolpern führt, da das Pferd in der gleichen Zeit einen längeren Hebel überwinden muss. Oft weisen diese Hufe kaum Sohlenwölbung auf und haben häufig untergeschobene Trachten. Das Längenverhältnis von Zehenwand und Trachtenwand stimmt häufig auch nicht mehr überein.

Zu lange Zehen erkennt man sohlenseitig daran, dass der Abstand zwischen Strahlspitze und Zehenwand unnatürlich groß und der Huf dadurch eher oval als rund ist (Hinterhufe sind jedoch von Natur aus ovaler als Vorderhufe). Ein gutes Verhältnis ist: 2/3 bis 3/4 der Huflänge sollten Strahl sein, 1/3 bis 1/4 Sohle. Dabei ist es wichtig den tatsächlichen Ursprung der Strahlspitze als Anhaltspunkt zu nehmen, da sie häufig nach vorne über die Sohle wächst.

Diese nach vorne herausgezogene Zehe kann Trachtenzwang auslösen und die gesamte Verstellung der Gliedmaße führt zu Kompensationshaltungen, die sich auf den Muskel- und Bandapparat des Pferdes auswirken.

Die meisten Hufe, die man als zu flach einschätzt, haben eher das Problem von zu langen Zehen. Eine zu flache Hufwinkelung ist eigentlich immer eine Folge eines anderen Problems.

Lange Zehen sind bei einer Vielzahl von Pferden zu beobachten und fallen im ersten Moment dem Laien kaum ins Auge. Sie entstehen häufig durch eine unüberlegte Standard-Hufbearbeitung, die nicht speziell an die Hufe eines einzelnen Pferdes angepasst wurden.

Bei zu langen Zehen sollten diese gekürzt werden und man sollte vielleicht über die Anwendung eines Toe-Rocker's nachdenken. Die Trachten sollten dabei ein niedriges Niveau haben und hebelnde Wände sind stets auszuschalten. Deshalb sind bei Anwendung eines Toe Rocker's kurze, regelmäßige Intervalle der Hufbearbeitung ratsam (max. 4 Wochen). Sollte durch diese Maßnahmen keine Sohlenwölbung entstehen, empfiehlt sich die Zuhilfenahme von Hufschuhen mit speziellen Hufbein-Einlagen.

Hinweis: Experimente bei der Hufbearbeitung sollten nur mit dem Tierarzt und erfahrenen Pferdehaltern überhaupt in Betracht gezogen werden. Und vor allem das Pferd sollte in seiner Sprache, bei der Hufebearbeitung immer ein wichtiges Wörtchen mitreden dürfen.

Toe Rocker

Ungünstige Hufformen führen zu einer nicht gewollten Lageveränderung der Fessel, die automatisch zu weiteren ungewollten Änderungen führen.

Lageveränderung der Fessel

Hinweis zur allgemeinen Huf-Gesundheit
Wenn ein Huf grundsätzlich mit den Trachten zuerst auf dem Untergrund landet, kann die gesamte Physiologie des Pferdes am besten arbeiten. Bearbeitungsprobleme, die man nicht in den Griff bekommen konnte scheinen sich dann im Laufe der Zeit von selber zu lösen.

  • Ein Hufbein, das nicht gerade in der Hufkapsel sitzt, wird sich über einige Monate selbst geraderichten, ohne frustrierenden Versuche, es geraderichten zu wollen.
  • Undefinierbare Schmerzen im Trachtenbereich, die von einer Entzündung des Verbindungsband von Strahl- zum Hufbein herrühren, können durch eine professionelle Hufbearbeitung verschwinden.
  • Zusammengezogene Trachten können sich weiten. Bei Pferden kann das Weiten der Trachten innerhalb weniger Monate geschehen, um 1,5 bis 2 cm - gemessen zwischen den Trachtenendkanten. Der Umriss der Hufe, der viele Jahre lang oval war, kann dann fast wieder rund werden.
  • Das Strahlpolster kann widerstandsfähiger werden, so dass das Pferd wieder komfortabler - mit raumgreifenden Bewegungen - auf unebenem Boden wieder laufen kann.


Hinweis: Das ein- bis zweimalige Raspeln eines »toe rocker« an die »Hufschuhe« kann dem Pferd auf ausgedehnten Geländerritten wieder eine Trachtenlandung ermöglichen. Er sollte bis dorthin zurückreichen, wo bei einem Hufeisen die hinteren Enden der Seitenaufzüge liegen, da die Dicke der Hufschuh-Sohle die Beziehung und Relation zur Knochensäule des Beins verändert.

Fazit - Hufbearbeitung:

  • Das ideale »Hufrolleneisen« nach Fesstellung des Hufrollensyndroms gibt es nicht. Jeder Huf muss individuell nach seinen Bedürfnissen oder Veränderungen beschlagen werden.
  • Das Fußen, Stehen und Laufen muss so angenehm und schmerzfrei wie möglich sein, um einen Teufelskreis zu vermeiden.
  • Oft muss ausprobiert werden, was dem Pferd am angenehmsten ist. Das Pferd muss entscheiden, nicht die Theorie oder eine Idealvorstellung. Der Idealhuf aus dem Lehrbuch lässt sich nicht erzwingen.

Quelle: Internet

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