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Hufrollensyndrom

Was steckt hinter dem Begriff Hufrollensyndrom?
Beim Hufrollensyndrom handelt es sich um eine Erkrankung, die bei Sport- und Freizeitpferden die häufigste Ursache für ein chronisches Lahmen ist. Sie ist bei Reitern unterer mehreren Namen bekannt: Hufrollenentzündung oder -syndrom, Strahlbeinentzündung oder Podotrochlose. Es handelt sich dabei um eine lokale Überlastung des Strahlbeins.

Unter dem Begriff Podotrochlose oder dem Hufrollensyndrom, werden verschiedene krankhafte Veränderungen des Hufrollenkomplexes zusammengefasst. Das Hufrollensyndrom zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen an der Vorhand. Da viele verschiedene anatomische Strukturen am Hufrollenkomplex beteiligt sind, kann das klinische Bild je nach betroffener Struktur stark variieren. An der Erkrankung des Hufrollenkomplexes können zahlreiche Faktoren beteiligt sein und durch genetische Einflüsse begünstigt werden.

Die sogenannte Hufrolle besteht aus dem Strahlbein, dem unteren Ende der tiefen Beugesehne und dem Hufrollenschleimbeutel, sowie den zugehörigen Bändern und den versorgenden Nerven und Gefäßen. Sie besitzt die Funktion eines Stoßdämpfers beim Auffußen. Da die »Tiefe Beugesehne« wie auf einer Umlenkrolle über den Hufrollenschleimbeutel gleitet und über das Stahlbein nach oben umgelenkt wird, hat sich der Begriff »Hufrolle« etabliert.

Durch Krafteinwirkung auf die Anteile des Hufrollenkomplexes kommt es zu Stoß- und Zugeinwirkung mit mehr oder weniger starker Schädigung der verschiedenen Strukturen. Beim Auffußen, wenn das Gewicht auf eine Gliedmaße verlagert wird, wird immer zeitgleich Druck und Zug auf die Anteile des Hufrollenkomplexes ausgeübt und das Strahlbein wird zwischen Kronbein und Hufbein »gequetscht«. Das ist eine normale biomechanisch bedingte Belastung der Strukturen. Wenn aber durch Fehlstellungen oder übermäßige Beanspruchung diese Krafteinwirkungen stärker als üblich auf die Strukturen einwirken, so kommt es zur Überlastung und zu degenerativen Veränderungen. Zum Beispiel übermäßige Belastung auf hartem Boden oder übermäßig viel Galopparbeit, vor allem bei schlechten Bodenverhältnissen, kann es zur Überbelastung und zusätzlichen Verschleiß führen. Auch Springpferde leiden häufig belastungsbedingt unter Podotrochlose, weil beim Landen nach dem Sprung natürlich eine maximale Belastungssituation für den Hufrollenkomplex vorliegt.

Huf eines wilden Mustangs (Bild: rechts oben): Der Pfeil links zeigt wo an diesem natürlich abgelaufenen Huf der Abrollpunkt liegt.

Huf eines Hauspferdes mit verbogener Zehenwand (Bild: rechts unten): Der Pfeil rechts zeigt den Abrollpunkt an der vordersten Spitze der verbogenen Zehe, die von unten zusätzlich flach gearbeitet ist.

Abrollpunkte

Die verschiedenen Begriffe (Hufrollenentzündung oder -syndrom, Strahlbeinentzündung oder Podotrochlose) unterscheiden sich jedoch, auch wenn sie oft als Synonyme gebraucht werden, in ihrer Bedeutung.

  • Ist das Strahlbein direkt betroffen, spricht man in der Regel einfach von einer Strahlbeinentzündung.

  • Sind außerdem die Sehnen und Bänder um das Strahlbein herum betroffen, dann verwendet man den Ausdruck Podotrochlose. Zu diesen Strukturen gehören: die tiefe Beugesehne, das Sesambeinband (Ligamentum sesamoideum collaterale, das Sesambeinband befindet sich in der Nähe des Strahlbeins), der Hufrollenschleimbeutel

Die Veränderung der anatomischen Strukturen ruft beim Pferd Schmerzen hervor, die die Streckung des Gelenke einschränken (distale Interphalangealgelenke: distal ... entfernt; Interphalangealgelenk ... Fingergelenk, Fingergliederzwischengelenk). Einfach gesagt handelt es sich dabei um die Streckung des Kron- und des Fesselbeins, wenn der Huf des Pferdes in den Boden einsinkt. Das ist das gleiche Prinzip, wie wenn man eine Fingerkuppe gegen eine Oberfläche drückt. Bei dieser Bewegung kann das Pferd Schmerzen empfinden, wodurch ein Lahmen entsteht.

Hufrolle

Hinweis: Pferdehalter neigen dazu, Fohlen auf weichen Untergründen zu halten. Dadurch kann sich die Hufkapsel nicht verdrehen oder deformieren und die Entwicklung der Strahlpolster gerät ins Hintertreffen. Anschließend tendieren Pferdhalter dazu Pferde zweijährig zu beschlagen und sorgen dafür, dass der Huf sich hier ebenfalls nicht drehen oder biegen kann und bremsen dadurch die freie Entwicklung der Hufe vollständig. Oft wird auch noch vergessen, dass eine tägliche Laufleistung auf unterschiedlich harten und weichen Böden von 20 bis 30 km für Pferde ganz normal ist.

Welche Anzeichen gibt es?
Die ersten klinischen Symptome des Hufrollensyndroms treten in der Regel in einem Alter von 5 bis 10 Jahren auf. Warmblüter und Quarter Horses sind besonders häufig betroffen, Vollblüter und Traber hingegen deutlich seltener. Das Lahmen entsteht in der Regel schleichend, setzt zeitweise aus und ist selten sehr stark ausgeprägt.

Betroffene Pferde zeigen typischerweise ein stolperndes, schlurfendes oder steifes Gangbild: das Pferd fußt sehr zögerlich und vorsichtig auf und will den hinteren Zehenabschnitt schonen. Die Lahmheit nimmt oft bei Erschütterung auf hartem Boden zu, durch vermehrtes Einsinken des Trachtenbereiches in tiefem Boden kann es aber auch zu einer Verschlechterung der Lahmheit auf weichem Boden kommen, wenn vor allem die Weichteilstrukturen betroffen sind.

Das Traben auf gebogenen Linien, besonders auf dem kleinen Kreis auf hartem Boden verursacht meist Schmerzen. Häufig entlasten die Pferde beim Ruhen die schmerzhafte Gliedmaße durch leichtes Vorstellen. Der Beginn der Erkrankung wird oft vom Pferdebesitzer gar nicht wahrgenommen. Erst bei fortgeschrittener Erkrankung werden die Krankheitsanzeichen deutlicher. Häufig beobachtet man Steifheit und Schwierigkeiten in der engen Wendung beim Herausführen aus der Box. Die Pferde stolpern unter dem Reiter und zeigen einen gebundenen Gang oder Taktfehler. Bei Springpferden kann eine »Landeangst« oder vermehrtes Verweigern beobachtet werden, da die Pferde den Schmerz beim Aufkommen nach dem Sprung fürchten.

Beim Hufrollensyndrom ist die Vorhand anfälliger als die Hinterhand. Leider sind oft beide Seiten an der Vorderhand des Pferdes betroffen. Falls beide Vorderhufe erkrankt sind, kommt es nicht selten zu einer Asymmetrie der Bewegungen, auch wenn in der Regel auf einer Seite die Symptome ausgeprägter sind als auf der anderen. Diese Asymmetrie wird, wenn sie letztendlich auftritt, dafür sorgen, dass sich die Schritte des Pferdes verkürzen. Dies macht sich vor allem im Trab bemerkbar. Man hat den Eindruck, das Pferd laufe auf Eiern. Besonders deutlich wird dies, wenn das Pferd sich noch nicht warm gelaufen hat, also wenn es z.B. gerade aus seiner Box herausgeführt wurde. Wenn das Pferd sich schon längere Zeit bewegt hat, lassen die erkennbaren Symptome oft nach.

Einfacher Test zur Feststellung des Hufrollensyndroms
An den möglicherweise betroffenen Bereichen, kann man mittels Abtasten mitunter eine vermehrte Pulsation der Mittelfußarterie feststellen, aber meist ist der Befund bei betroffenen Pferden eher unklar. Beugeproben und das Abdrücken des Hufes mit der Hufzange führen zu keiner oder zu unklaren Reaktionen des Pferdes.

Als weitere Provokationsprobe wird häufig noch die sogenannte Keil- oder Brettprobe durchgeführt. Hierbei wird der Huf auf einem Keil oder einem Brett so abgestellt, dass die Zehe erhöht steht und das Gewicht auf den hinteren Abschnitt des Hufes verlagert wird, was zu einer vermehrten Spannung der »tiefen Beugesehne« führt. Nach etwa 1 Minute wird das Pferd angetrabt und auf eine Veränderung des Gangbildes kontrolliert.

Hufrollensyndrom: Keilprobe mit einem Brett

Häufig, aber nicht immer, zeigt sich hierbei eine Verstärkung der Symptome. Auch in der Wendung, auf dem Zirkel und auf hartem Boden beobachtet man oft eine Verstärkung der Symptome.

Hinweis: Das Röntgen durch einen Tierarzt zählt zu den Standarduntersuchungen bei der Hufrollendiagnostik. Mit der sogenannten Oxspring-Röntgenaufnahme, bei der der Huf auf einen speziellen Klotz gestellt wird, werden Strahlbein und Hufbein dargestellt. Meist muss der Hufbeschlag für das Röntgen abgenommen werden, da die Eisenschenkel Teile des Strahlbeines verdecken.

Das Röntgenbild kann nicht alle Strukturen des Hufrollenkomplexes darstellen! Lediglich knöcherne Veränderungen und Verkalkungen sind zu erkennen. Eine Beurteilung der Weichteilstrukturen ist nicht möglich! Das bedeutet, dass durchaus eine Erkrankung des Hufrollenkomplexes vorliegen kann, auch wenn im Röntgenbild keine Veränderung am Strahlbein erkennbar wird.

Wie verändert sich das Aussehen des Hufs?
Es können folgende Veränderungen auftreten:

  • Auf der stärker betroffenen Seite kommt es oft zu einer Verformung des Hufs. Der Huf wird schmaler und steiler. Die Trachte ist länger als beim gegenüberliegenden Huf, dies lässt sich aber erst in einem fortgeschritteneren Stadium beobachten.

  • Das Pferd versucht, den betroffenen Huf zu schonen, um Schmerzen zu vermeiden. Im Stehen entlastet das Pferd daher nicht wie sonst üblich das Hinter- sondern das Vorderbein.

Beschlag und Hufkorrektur sind wichtige Bausteine des Behandlungskonzeptes beim Hufrollensyndrom. Nicht selten behebt ein optimaler orthopädischer Beschlag das Problem ohne weitere Therapie. Das ideale »Hufrolleneisen«, das immer passt, gibt es jedoch nicht: Jeder Huf muss individuell nach seinen Bedürfnissen oder Veränderungen beschlagen werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hufschmied und Tierarzt ist hierbei sinnvoll, um das individuell passende Konzept für den Patienten gemeinsam zu erarbeiten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Es handelt sich beim Hufrollensyndrom, auch Podotrochlose genannt, um eine irreversible Erkrankung, das heißt, sie kann nicht geheilt werden. Allerdings lassen sich die Symptome stabilisieren und behandeln, manche Pferde können sogar trotzdem noch auf Turnieren eingesetzt werden. Um dies zu ermöglichen, wird je nach Art und Ausprägung der Erkrankung ein spezieller Beschlag angebracht.

Der spezielle Hufbeschlag hat in der Regel den Zweck, die Streckung des distalen Interphalangealgelenks einzuschränken und somit die Belastung der Trachten zu verringern. Es werden also Hufeisen angebracht, die die Trachten unterstützen und dafür sorgen, dass das Pferd über die Zehe abrollen kann, ohne dass der Huf dabei zu sehr einsinkt. Es werden nicht selten Hufeisen verwendet, die speziell gepolstert, an der Zehe offen (also quasi »verkehrt herum«) oder bei besonders ausgeprägten Symptomen vollständig geschlossen sind (Stegeisen).

Je nachdem, welche Symptome das Pferd zeigt, werden Entzündungshemmer und/oder Hyaluronsäure aufgetragen oder Injektionen verabreicht. Die Behandlung des Hufrollensyndroms sollte ausschließlich in Absprache mit einem Tierarzt erfolgen.

Die Prognose hängt von der Ausprägung der Symptome, der anatomischen Veränderung, der Schmerzen und dem Alter des Pferdes ab. Zeigt das Pferd ein Lahmen im Schritt? Ist das Pferd noch jung? All dies muss für das Stellen einer Prognose berücksichtigt werden.

Pferdetraining

Kann man das Pferd trotzdem noch bewegen?
An dieser Stelle einige Tipps für den Umgang mit der Erkrankung beim Training:

  • Man sollte ausschließlich auf weichem und ebenmäßigem Boden arbeiten (falls man bei einem Turnier feststellt, dass der Boden zu hart ist, sollte man auf keinen Fall antreten)

  • Das Pferd sollte lange genug abgeritten werden, vor allem sollte man viel gerade aus reiten und das Pferd auf der Hand gehen lassen, die es bevorzugt.

  • Man sollte es vermeiden, auf dem Zirkel zu reiten. Vor allem sollte man keine engen Volten (Reitfigur) reiten auf der Hand, auf der das Pferd Probleme hat.

Hinweis: Wurde beim Pferd das Hufrollensyndrom festgestellt, so ist die Pflege, der Hufbeschlag und das Training des Pferdes, am aktuellen gesundheitlichen Zustand anzupassen, aber in Absprache mit dem Tierarzt. Und höre immer auf das Pferd.

Quelle: Internet

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