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Pferdesprache - Lautäußerungen

Was ist Pferdesprache?

Pferde sind hochsoziale Fluchttiere, deren Kommunikation primär nonverbal über Körperhaltung, Ohrenstellung, Mimik, Schweifhaltung und Bewegungsmuster verläuft. Lautäußerungen wie Wiehern, Schnauben oder Quieken ergänzen dieses System, bilden aber nur einen sehr kleinen Teil des Gesamtrepertoires.

Obwohl visuelle Signale dominieren, verfügen Pferde über ein differenziertes Repertoire an Lautäußerungen, das in Verbindung mit Körpersprachsignalen gelesen werden sollte.

eine lautstarke Unterhaltung unter Kolleginnen

Lautäußerungen: Wiehern, Schnauben, Quieken und mehr

Wiehern ist die auffälligste und weitreichendste Lautäußerung. Pferde wiehern, um Kontakt herzustellen (Trennungswiehern), um die Anwesenheit eines Artgenossen zu bestätigen oder um den Menschen zu begrüßen. Die Lautstärke, Länge und Modulierung des Wieherns transportieren dabei unterschiedliche Informationen: Ein kurzes, hohes Wiehern kann Neugier signalisieren, ein tiefes, kehlendes Wiehern häufig Unruhe oder Suche nach Herdenkontakt.

Wiehern - Beispiel 1: Begrüßt ein Pferd ein anderes befreundetes Pferd in der Nähe, dann ist das Wiehern nicht allzu laut und tönt auch nicht schrill.

Wiehern - Beispiel 2: Wiehert ein Pferd auf dem Weg zur Weide, will es den anderen Pferden aus der Ferne schon einmal »Hallo« sagen.

Wiehern - Beispiel 3: Pferde können auf verschiedene Weise wiehern und es wird auch vielseitig aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt. So können Pferde durch Wiehern ihre Freude zum Ausdruck bringen. Auf der anderen Seite kann das Wiehern aber auch dazu verwendet werden, um ein anderes Pferd - aus unterschiedlichen Gründen - zu warnen.

Wiehern - Beispiel 4: Ein langes, kehliges Wiehern in größerer Lautstärke wird von den Pferden beispielsweise eingesetzt, um andere Pferde zu rufen oder von ihrer eigenen Anwesenheit zu »berichten«.

Wiehern - Beispiel 5: Wie wir Menschen, haben auch die Pferde ganz unterschiedliche »Stimmen«. Jedes Pferd wiehert anders, weshalb sich Stallkameraden oder Weidegenossen auch über das Wiehern gegenseitig identifizieren können.

Ergänzender Hinweis - Wiehern: Forscher der ETH Zürich haben herausgefunden, dass Pferde zweistimmig wiehern und so mitteilen, wie sie sich fühlen und wie stark ihre Emotionen sind. Je höher und lauter die tiefere Grundfrequenz, desto aufgeregter (positiv oder negativ) ist das Pferd. Ist das Pferd guter Stimmung, z.B. wenn es ein bekanntes Pferd begrüsst, ist die zweite - die höhere - Grundfrequenz tiefer als wenn es aus Angst wiehert. Ängstliche Pferde wiehern höher und länger. Bei einem fröhlichen Wiehern senkt das Pferd außerdem den Kopf, während es in Angst oder Panik den Kopf hoch erhoben trägt.

Grummelnde Laute (leises Wiehern, blubbern) - Pferde die sich begrüßen, geben manchmal ein leises, sanftes, kehliges Wiehern von sich. Diese Grummellaute sind kürzer und tiefer als das normale Wiehern. Pferde setzen das »Grummeln« üblicherweise auf kurze Distanzen ein.

Grummeln - Beispiel 1: Grummeln kann als Begrüßungssignal und Aufforderung zum Näherkommen vom Pferd verwendet werden, wenn bekannte Pferde so nah sind, dass sie erkannt werden können. Ebenso kann ein Pferd auch »menschliche Freunde« mit einem Grummeln begrüßen oder rufen, wenn diese Menschen mit Futter in Verbindung gebracht werden können.

Grummeln - Beispiel 2: Grummeln in unterschiedlicher Lautstärke bekommt man oft kurz vor der Fütterungszeit zu hören. Es bedeutet: »Mach schon, ich hab Hunger!«

Grummeln - Beispiel 3: Hengste, die auf Brautschau sind, setzen ein tiefes, langes und kraftvolles Grummeln ein, um eine Stute auf sich aufmerksam zu machen.

Grummeln - Beispiel 4: Mutterstuten grummeln mütterlich weich, wenn sie ihr Fohlen rufen. Bei Fohlen scheint das Verständnis für diese Lautäußerung angeboren zu sein, da sich schon neugeborene Fohlen in Richtung imitierter Grummellaute bewegen. Fohlen scheinen dabei jedoch noch nicht in der Lage zu sein, die Stimme ihrer Mutter eindeutig zu erkennen und nähern sich erstmal jedem entsprechenden Grummeln. Erst mit dem Heranwachsen sind die Fohlen in der Lage eindeutige Unterscheidungen zu treffen.

Schnauben (Schnauben oder Blasen - ein kurzes, explosives Ausatmen durch die Nüstern) zeigt meist Entspannung und Wohlbefinden - häufig nach einer Trainingseinheit oder beim ruhigen Grasen. Es ist von Prusten zu unterscheiden: Das tiefere, rollende Geräusch beim Prusten signalisiert ebenfalls Entspannung, wird aber auch zur olfaktorischen Prüfung von Gerüchen eingesetzt (Geruchswahrnehmung).

Schnauben - Beispiel 1: Beim Schnauben bläst das Pferd Luft kräftig durch die Nüstern. Das Schnauben ist so laut, dass die anderen Pferde der Herde vor einer entfernten Bedrohung gewarnt werden, ohne das das schnaubende Pferd die eigene Position verrät.

Schnauben - Beispiel 2: Entspanntes, weiches Schnauben kann beim Pferd als Anzeichen völliger Losgelassenheit gewertet werden.

Schnauben - Beispiel 3: Pferde, die sich wohlfühlen oder überrascht werden, schnauben oder blasen häufig geräuschvoll durch die Nase aus.

Schnauben - Beispiel 4: Schnaubt ein Pferd, ist dies in der Pferdesprache ein Zeichen der Entspannung. Dies kann zum Beispiel nach einer leckeren Mahlzeit der Fall sein: Das Pferd schnaubt und zeigt an, dass es satt und zufrieden ist.

Schnauben - Beispiel 5: Manche Pferde schnauben, wenn sie nach einem Ausritt oder Training wieder auf die Weide können - jetzt geht es an den gemütlichen Teil des Tages. Dadurch signalisiert es gleichzeitig seinen anwesenden Artgenossen, dass es ihm gut geht. Wer ein Pferd schnauben hört, kann auch mal versuchen, zurück zu schnauben.

Schnauben - Beispiel 6: Sehr lautes oder in kurzen Abständen erfolgendes Schnauben zeigt, dass das Pferd unsicher ist oder auf eine Gefahr aufmerksam machen möchte. Hierbei ist die Körperhaltung entsprechend angespannter.

Quieken (quietschende Laute) ist ein hohes, kurzes Signal, das vor allem in Sozialkontaktsituationen auftritt - etwa beim ersten Nasenberühren zweier unbekannter Pferde oder bei sexueller Erregung. Es fungiert aber auch als klare kommunikative Grenzmarkierung: »Bis hierher und nicht weiter«. Pferde setzen quietschende Laute ein, wenn sie Ärger, Übermut oder eine Warnung ausrufen möchten. Auch Stuten setzen dieses Signal gegenüber aufdringlichen Hengsten ein. Quietschende Pferde sind in jedem Fall mit Vorsicht zu genießen, denn sie können schnell gereizt reagieren.

Quietschen - Beispiel 1: Stuten quietschen, wenn sie von männlichen Pferden umworben werden und oft auch generell, wenn sie mit fremden Pferden in engen Kontakt (gegenseitiges Beschnuppern) kommen. Häufig stampft die Stute beim Quietschen gleichzeitig mit einem Vorderbein auf.

Quietschen - Beispiel 2: Mit Quietschen wird Erregung zum Ausdruck gebracht und es wirkt auch auf andere Pferde erregend. Zur gleichen Zeit geht mit Quietschen allerdings ebenfalls eine gewisse Warnung einher und kann soviel bedeuten wie »Komm mir nicht näher!«. Damit deutet das Quietschen auf Unwillen hin. Hinweis: Der Grat bei einem gegenseitigen Beschnuppern ist schmal, denn das Beschnuppern ist auch eine Festlegung der Rangordnung. Zwischen Freundlichkeit, Unwillen oder Warnung kann schnell gewechselt werden.

Quietschen - Beispiel 3: Einige Pferde quietschen auch unwillig, wenn sie ausschlagen, kämpfen oder bocken, womit sie unterstreichen, dass es ihnen ernst ist.

Grollen/Brodeln (ein tiefes, kehliges Brummen) ist selten und tritt vor allem bei Stuten im Zusammenhang mit dem Fohlen auf - ein Bindungs- und Beruhigungssignal.

Schnarchlaute setzen Wildpferde als Alarm- und Herausforderungssignale ein, um die Aufmerksamkeit der eigenen Herdenmitglieder zu wecken und potentielle Gegner zu vertreiben.

Schnarchlaute - Beispiel 1: In der Regel geben Hengste Schnarchlaute von sich, um Drohungen gegen andere Hengste »auszusprechen«.

Schnarchlaute - Beispiel 2: Nervös veranlagte Hauspferde - Hengste wie Stuten und Wallache - geben schnarchende Laute von sich, wenn sie mit unbekannten Objekten konfrontiert werden. Dieses ist vor allem dann zu beobachten, wenn die Pferde sich auf der einen Seite vor dem unbekannten Objekt fürchten, aber auf der anderen Seite neugierig sind und das Objekt gerne genauer untersuchen würden.

Schnarchlaute - Beispiel 3: Bei Pferden kann man mitunter auch ein schnarchendes Geräusch vernehmen, wenn die Pferde übermütig sind und vorgeben, sie hätten sich erschreckt.

Röhren hört man von Pferde, die verschüchtert oder verärgert sind. Ein kehliges, tiefes Röhren drückt Verunsicherung, Verärgerung oder Ängstlichkeit aus. Pferde versuchen in ihrer Sprache, einzuschüchtern und abzuschrecken. Es ist eine Drohung gegenüber dem, was ihnen in der Situation Angst macht. Das können Artgenossen, Objekte, Menschen oder andere Tiere sein.

Grunzlaute sind von Pferden zu vernehmen, die extremen Anstrengungen und Belastungen ausgesetzt sind. Dieses kann beispielsweise im Kampf, beim Springen oder auch bei Aufstehversuchen nach einem Sturz der Fall sein.

Grunzlaute - Beispiel 1: Durch Grunzlaute kann das Pferd auch Schmerz und Unwohlsein zum Ausdruck bringen, zum Beispiel bei einer Kolik oder beim Abfohlen.

Hinweis: Man geht in der Wissenschaft davon aus, dass die Grunzlaute allerdings nicht bewusst vom Pferd als Signal genutzt werden.

eine brüllende Meinungsäußerung

Kreischen, Schreien oder Brüllen ist ein Zeichen extremer Erregung, wie Angst oder Schmerz. Im Pferdealltag hört man Pferde nur sehr selten schreien oder brüllen. In normalen Alltagssituationen ist dies auf jeden Fall ein Alarmsignal, das eine sofortige Reaktion erfordert.

Kreischen, Schreien oder Brüllen - Beispiel 1: Wenn Pferde schreien oder brüllen, dann oft im Kampf, um ihre Angst oder ihre Wut auszudrücken.

Kreischen, Schreien oder Brüllen - Beispiel 2: Hengste geben ein brüllendes Wiehern von sich, wenn sie sich untereinander nicht verstehen. Dann kündigt es auch oft einen Kampf an. Gibt ein Hegst auf, wiehert er schrill, um seine Unterwerfung zu zeigen (Klärung der Rangordnung).

Kreischen, Schreien oder Brüllen - Beispiel 3: Bei Stuten, die nicht mehr rossig sind, kann man ab und an ein verärgertes Schreien vernehmen, womit sie versuchen einen aufsässigen Hengst in seine Schranken zu verweisen.

Hinweis: Die individuellen Unterschiede zwischen den Pferden können erheblich sein: Manche Pferde sind grundsätzlich lautfreudiger als andere, ohne dass dies eine krakheitsbedingte oder andere beunruhigende Ursachen haben muss.

Fazit: Pferdesprache als fortlaufender Lernprozess

Das Lesen und Verstehen equiner Kommunikation (Pferdesprache) ist keine einmalige Qualifikation, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Pferde kommunizieren über mehrere Kanäle gleichzeitig - visuell, taktil, olfaktorisch und vokal - und die Bedeutung eines Signals erschließt sich immer nur aus der Kombination aller Kanäle im jeweiligen Kontext.

Quelle: INTERNET

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